Donnerstagskneipe

25.11.2021

Liebe community des Gasthof Meuchefitz,

seit dem 24.11.21 gilt in Niedersachsen für Gastronomie und Beherbung die „2-G“-Regel. Das bedeutet, dass nur Geimpfte und Genesene Zugang haben sollen. Um dies durchzusetzen, sind die Betriebe verpflichtet, Zertifikate und Personalausweise zu kontrollieren.

Wir halten diese Regelung für problematisch und inhaltlich nicht sinnvoll und haben uns deswegen entschlossen, die Donnerstagskneipe am heutigen 25.11. geschlossen zu lassen.

Hiermit möchten wir gerne unsere Gründe dafür erläutern:

Wir halten die Impfung gegen Covid-19 für das richtige und wichtigste Mittel gegen das tödliche Ausmaß dieser Pandemie. Deswegen finden wir es natürlich auch wichtig, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen.

Wir verstehen uns als linksradikales und damit antiautoritäres und libertär denkendes Projekt. Aus einer solchen Sichtweise auf gesellschaftliche Prozesse halten wir die allermeisten Formen von Zwang nicht für zielführend. Auch geimpfte und genesene Personen, können Überträger*innen des Virus sein. Ein plumpes „2-G“ erscheint uns deswegen nicht hauptsächlich dem Infektionsschutz dienlich, sondern insbesondere als Sanktion gegen Ungeimpfte. Wir gehen nicht davon aus, dass dadurch Personen stärker von der Impfung überzeugt werden. Im Gegenteil. Denn wir alle sind doch hoffentlich davon überzeugt: aus Strafen lernen Menschen nichts und diese sind somit emanzipatorischen Prozessen nicht dienlich. Wir gehen eher davon aus, dass dies zusätzlich zu mehr gefälschten Impfzertifikaten führt, sodass ungeimpfte Personen sich möglicherweise trotzdem in den Räumen aufhalten, dann jedoch nicht mal getestet sind.

Inhaltlich sinnvoll fänden wir ein „1-G“-Modell: Alle Personen, die sich in einem Raum aufhalten wollen, testen sich. Natürlich bleibt auch bei Getesten ein Risiko, dennoch ansteckend zu sein. Deswegen und auch sowieso sollte natürlich weiterhin Maske getragen (außer beim Essen am eigenen Tisch) und Abstand zu anderen Haushalten gehalten werden. Möglichst viele Leute wären dann hoffentlich trotzdem geimpft oder genesen, sodass das Testen bei den meisten eine doppelte Risiko-Minimierung bedeuten würde. Es wäre aber niemand verpflichtet, Nachweise, Ausweise usw. vorzuzeigen.

Ein weiteres Problem sehen wir in einer Verschärfung der Lebensbedingungen für besonders marginalisierte Gruppen, wie z.B. illegalisierte Menschen. Bei der bisherigen Umsetzung von „3-G“ war es für die meisten Anlässe an den meisten Orten möglich, sich vor Ort zu testen. Wenn mensch also z.B. keine Papiere hat, daher auch keinen Zugang zur Impfung hat etc., kann mensch dennoch teilnehmen, ohne einen Ausweis zeigen, sich rechtfertigen zu müssen oder ähnliches. Dies wird mit „2-G“ nicht mehr möglich sein. Wir möchten uns nicht teil dieses Kontrollzwangs machen und damit ein Rädchen in der Maschine sein, die den Spielraum von Menschen in ohnehin prekären Situationen immer enger macht. Wir möchten niemanden nach einem Personalausweis fragen und wir möchten auch niemandem, die*der möglicherweise gar keinen Zugang zur Impfung oder zum Genesenen-Zertifikat hat, ausschließen. Gleichzeitig wurde ja auch „3-G“ z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln verpflichtend eingeführt. Wobei als „Getestet“ nur ein offizielles Zertifikat gilt. Hier genauso: was sollen Menschen tun, die keine Papiere haben, mit denen sie sich in einem Testzentrum anmelden könnten? Wie und wo sollen sie sich noch bewegen können?

Und auch aus anderen Gründen finden wir das Fortschreiten von Überwachung und Kontrolle besorgniserregend: Immer wieder werden Menschen, die sich in linken Räumen aufhalten, unter Generalverdacht gestellt. Auch deswegen möchten wir nicht verursachen, dass alle Personen, die in den Gasthof kommen, ein Zertifikat und einen Personalausweis dabei haben müssen, welche bei einer potentiellen Kontrolle durch die Polizei Auskunft über die Klarnamen aller Anwesenden geben.

Wir möchten den Gasthof eigentlich nicht schließen. Wir würden allzu gerne mit der Donnerstagskneipe und dem Tagungshaus-Betrieb weiterhin einen Raum für Austausch und Vernetzung anbieten. Jedoch sind wir uns nicht sicher, wie wir dies unter den aktuellen Bedingungen einerseits unter dem Gesichtspunkt des Infektionsschutzes möglichst sicher und andererseits mit unserer politischen Haltung vereinbar umsetzen können. Hierfür benötigen wir Zeit. Auch wir sind übrigens nämlich nur Menschen, die außer Gasthof auch noch andere Sachen zu tun haben, und die manchmal überfordert sind, mit den Entscheidungen die diese Pandemie mit sich bringt…

Des Weiteren sehen wir es auch nicht als die alleinige Aufgabe des hier wohnenden Kollektivs an, solch weitreichende Entscheidungen zu treffen. Wir sind daran interessiert zu erfahren, unter welchen Bedingungen ihr euch möglichst alle möglichst sicher fühlen könnt. Welchen Modus ihr für richtig und konsequent haltet. Und wie wir das dann gemeinsam hinkriegen könnten.

Darum denken wir darüber nach, ob und wie wir zu diesem Thema zu einem Gespräch einladen. Auch hierfür brauchen wir aber Zeit. Eine irgendwie-geartete Einladung folgt hoffentlich 😉

Somit verbleiben wir erstmal. Bleibt gesund, bleibt wachsam, bleibt kämpferisch!

Euer Kollektiv des Gasthof Meuchefitz

“Normalerweise” würde folgendes gelten:

Die Donnerstagskneipe öffnet  Donnerstags ab 18.00Uhr.

Es gibt jede Woche wechselnde Tagesgerichte: Überwiegend Vegan/Vegetarisch und ab und zu auch Fleisch

Außerdem gibt es eine kleine Auswahl weiterer Essen und im Sommer Pizza aus dem Steinofen…

Die Zutaten kommen überwiegend aus nachhaltigem Anbau. Auch gibt es Öko-Weine, Öko-Biere und selbstgepressten Apfelsaft.

Die Preise können bei (Haupt-) Gerichten ab 4,- EUR je nach Einkommen in drei Kategorien selbst bestimmt werden.

Die Kneipe entstand in den Anfängen des Anti-Akw-Widerstandes in den 80igern als ein Treffpunkt von Leuten, denen ein lediglich auf Atom reduzierter Widerstand zu wenig war…

… ausserdem gibt es eine Reihe politischer und sonstiger Veranstaltungen im Gasthof.

Die Räume können auch gemietet werden !!!

Fische